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Heul doch: Wie sich PMS auf unser Gemüt auswirkt

PMS – nur drei Buchstaben, aber die haben es in sich. Sie sind die Abkürzung für das prämenstruelle Syndrom. Für betroffene Frauen wie mich tut sich dann ein Mal im Monat ein großes schwarzes, emotionales Loch auf, aus dem man meist erst wieder herausklettern kann, wenn das im Vergleich dazu kleinere Übel namens Menstruation eingetreten ist.

PMS bringt viele Frauen vor der Menstruation aus dem mentalen Gleichgewicht. Symbolfoto: Pixabay

Über die Periode wird nicht gern gesprochen – mit Männern bis auf den Gynäkologen in der Regel gar nicht und selbst Frauen stecken sich im Notfall Tampons gegenseitig so heimlich zu, als würden sie mit harten Drogen dealen. Dabei ist davon über die Hälfte der Weltbevölkerung betroffen und bei der diesjährigen Oscar-Verleihung hat ein Doku-Film über selbige die goldene Trophäe eingeheimst – zur eigenen Überraschung der Regisseurin.  Doch warum überrascht? Die Menstruation ist schließlich ganz natürlich – genauso wie die mit ihr einhergehenden Symptome. Eines davon ist besonders nervig, schimpft sich PMS und trifft einen trotz Regelmäßigkeit gefühlt aus heiterem Himmel.

Ich erinnere mich noch, wie ich mich an einem eigentlich schönen Tag fröhlich vor meiner Haustür von meiner Freundin und Kollegin verabschiedet habe. Kaum oben in meiner Wohnung angekommen, blickte ich in den Badezimmer-Spiegel und merkte, wie mir die ersten heißen Tränen die Wangen herunterrannen, sie wurden mehr, ich sackte am Boden zusammen, kramte nach meinem Handy und tickerte meine Kollegin an. Tausend Gedanken schossen mir in den Kopf, die ich nun zu bündeln versuchte: 1. Nachricht: „Diese eine Bemerkung gerade… , die klang so komisch.“ 2. Nachricht: „Warum bist du dann überhaupt mit mir befreundet?“ 3. Nachricht: „Das ist doch alles scheiße. Ich habe einfach keine Lust mehr.“ Es folgten noch zwei, drei ähnlich klingende Nachrichten.

Ich merkte, wie mir die ersten heißen Tränen die Wange herunterrannen.

Am nächsten Tag sah alles schon wieder anders aus. Ich rekapitulierte, erinnerte mich an meine Show und schämte mich, obwohl es da eigentlich nichts zu Schämen gibt. Weil ich nur im Sonderfall so bin. Und dieser Sonderfall tritt vor den „Tagen“ ein: PMS – das prämenstruelle Syndrom.

Es betrifft nicht jede Frau und ist bei Betroffenen im unterschiedlichen Maß  ausgeprägt. Laut Medizinern bezeichnet der Begriff die Veränderungen der Stimmung und des Körpergefühls in den Tagen vor der Menstruation. In diesen gewissen Tagen davor macht sich bei vielen Frauen Weltschmerz breit. Situationen und Momente, die eigentlich schön oder mindestens normal schienen, werden im Nachgang in ihre Einzelteile zersetzt und so zerdacht, dass sie am Ende nur noch ein undefinierbarer Haufen Mist sind. Zu dem anderen Symptomkreis gehören erhöhte Gereiztheit und Aggressivität und erhöhte Verletzlichkeit durch die Umgebung. Außerdem sind auch körperliche Symptome bei PMS möglich: zum Beispiel Heißhunger, Wassereinlagerungen oder Spannen in der Brust. Das alles verschwindet meist schlagartig mit dem Einsetzen der Menstruation.

Was steckt hinter dem PMS?

Doch warum das alles? Hinter dem PMS stecken die Hormonschwankungen im Zyklus, vor allem der Abfall des Östrogen in der zweiten Zyklushälfte bis zur Menstruation. Das beeinflusse unter anderem das Glückshormon Serotonin und könne so für schlechte Stimmung sorgen. Manche Frauen spüren das gar nicht oder nur ganz wenig, andere werden regelmäßig aus ihrem Alltag geworfen. Dabei kann das Ganze auch variieren und von Mal zu Mal unterschiedlich wie es bei mir der Fall ist, auftreten. Auch der Lebensstil spielt eine Rolle: Stress, schlechte Ernährung und wenig Bewegung können das prämenstruelle Syndrom begünstigen.

Frauen mit PMS sollten Alkohol, Koffein sowie Zucker meiden. Ein Patentrezept oder ein spezielles Medikament gibt es leider nicht. Aber: Vor allem in stressigen Phasen helfen Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation. Auch Bewegung hilft, Stress abzubauen. Für einige Betroffene kann Ruhe und Erholung notwendig sein, für andere ist es wichtig, aktiv zu werden und sich abzulenken. Verständnisvolle Freunde und Familie an seiner Seite zu haben, schadet also nie. Und Sätze wie „Du bekommst schon wieder deine Tage“ bitte verkneifen. Danke.