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Liebes Tagebuch: Von Rettungsmissionen, gesellschaftlichen Tabus und einer neuen Liebe

Tagebuchschreiben scheint etwas aus der Mode gekommen zu sein. Eigentlich schade, denn für die mentale Gesundheit, auf die man bekanntlich achten soll, kann es sehr befreiend sein, sich all die flirrenden Alltagseindrücke von der Seele zu schreiben. Und da man nicht jeden (Abwärts-)Trend hinterherrennen soll, werde ich in Styles of Hamelns neuer Rubrik Liebes Tagebuch jeden Monat die Leser ein wenig an meinem Alltag in Hameln teilhaben lassen. Was mich im Oktober bisweilen so beschäftigt hat, was mich wirklich glücklich und sauer macht, welche materiellen Kleinigkeiten das Herz außerdem erwärmen und was ich noch unbedingt lernen will, lest ihr hier.

Schönste Hameln-Entdeckung

 

„Was du warst noch nie auf dem Klüt?! Das muss sich ändern!“ Ja, es ist ein bisschen peinlich – besonders, wenn man schon seit eineinhalb Jahren in Hameln wohnt und eigentlich sehr naturverbunden ist. Aber eines Freitags war es nach Feierabend so weit. Ganz spontan von einer meiner Lieblingskolleginnen eingetütet, dann ab zur Tanke, Bier geholt und hochgejuckelt. Und was soll ich sagen? Ich bin verliebt und zwar richtig. Das mit uns wird etwas ganz Ernstes und Festes werden – das weiß ich. Du schöner Klüt, du!


Verteufelter Morgen

Ganz, ganz selten kommen auch mal Tage, an denen man zuvor noch lachend abends durch die Altstadt gelaufen ist und dann am nächsten Morgen in voller (wohlgemerkt frischer!) Montur in den Spiegel blickt und merkt, das wird heute doch  nichts.  Wenig später krümmt man sich, kann sich kaum auf den Beinen halten und verteufelt den abgelaufenen, abgepackten Salat, den man am Abend zuvor gegessen hat. So passiert an einem Oktobermorgen. Gedanken, die ich sonst nicht habe, schossen mir in den Kopf. “ Niemand ist außer dir da. Was ist, wenn du jetzt ohnmächtig wirst? Würde es überhaupt jemanden auffallen?“ JA, tat es. Und ich bin so dankbar – für meine Kollegen, die auch meine Freunde sind – die aufgeregt einander anriefen, Mutmaßungen anstellten und ein Rettungskomitee mobilisierten.


Steter Tropfen…

Die Facebook-Fanpage von Styles of Hameln hat über 1500 Likes erreicht. Dass die Community so gut gewachsen ist, macht mich verdammt stolz! Ebenso wie die frisch eingetrudelte Jubiläumsausgabe vom Wellner/Dewezet-Magazin „Life&Style“, an der ich zusammen mit einem tollen Team über mehrere Monate gearbeitet habe. Die Arbeit dann in den eigenen Händen zu halten, ist immer ein besonderer Moment.


Partner in crime

Aus seinem geliebten Umfeld in ein neues gesteckt zu werden, erfordert Gewöhnung. Das Tolle: Man lernt neue Menschen kennen. Menschen, mit denen du an einem lauen Oktoberabend im geparkten, nur vom schwachen Licht einer Laterne angeleuchteten Auto sitzt, mit ihnen über große Hoffnungen und kleine Ängste sprichst und dir ganz sicher bist, einen partner in crime gefunden zu haben. Du bist eine gute Kontaktbörse, liebe Dewezet.


Übel aufgestoßen

Glücklicherweise hat mich bis jetzt mehr froh als ärgerlich gemacht. Übel aufstoßen, tut mir aber dennoch einiges: Dass man als Frau manchmal nicht für voll genommen wird.  Männer, die nicht begreifen, dass sie selbst Opfer von Patriarchen sind. Und deshalb besser an unserer Seite für Gleichberechtigung einstehen sollten. Wütend macht mich aber auch die Feststellung, dass es in unserer Gesellschaft schwer ist, ehrlich zu sein, über Ängste und Fehler und Misserfolge zu sprechen, darüber, dass wir alle manchmal schwach sind. Warum gibt es überhaupt noch die Bezeichnung „Tabu“?


Das muss ich lernen

Wenn aus einem“Wenn ich den in die Finger kriege, dann gnade ihm …“ ein „Übrigens, es wäre total nett, wenn …“ wird. Die eigene Courage ist so eine Sache. Mal überflügelt sie einen, dann wieder versackt man im Sumpf der Zweifel. Ich muss dringend lernen, los- und Dinge mehr auf mich zukommen zu lassen – anstatt alles kontrollieren, hinterfragen und interpretieren zu wollen. Ich muss, ganz platt gesagt,  nicht immer alles zerdenken.


Je ne parle pas français

Ich habe mir den Kodex auferlegt, für kein Kleidungsstück oder Accessoire jemals den regulären Preis zu bezahlen. Es sei denn meine investigativen Recherchen ergeben, dass dieses Stück von einer der schönsten Frauen der Welt stammt, niemals reduziert wird und eigentlich immer ausverkauft ist. Seit ein paar Tagen hängt dieses Kleid nun an meiner Kleiderstange und lässt mich angezogen ein klitzekleines bisschen wie eben jene Frau fühlen – mit einer gehörigen Portion Stärke und Souveränität. Alles richtig gemacht.