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Glücklich mit weniger Zucker? So ist mein Selbstversuch gelaufen

Vor ein paar Monaten wagte Maike von Styles of Hameln den Selbstversuch und probierte, den Zuckergehalt in ihrem Essen möglichst gering zu halten. Für viele unvorstellbar. Nachdem einige Zeit verstrichen ist, wollten wir es genau wissen: Wie ist es ihr dabei ergangen? Ist ein Leben ohne Zucker lebenswert? Und hat sie das Experiment tatsächlich durchgehalten? 

Ob ich die von der WHO empfohlenen 25 Gramm pro Tag dabei einhalte, bezweifele ich zwar auch an manchen Tagen, aber bisher hat mir das Experiment viel Positives gebracht.

In einer typischen Szene wird die Veränderung ziemlich deutlich: Hier im Büro ist es fast schon üblich, dass irgendwann eine E-Mail im Posteingang landet, mit dem Betreff: „In der Küche steht Kuchen“. Normalerweise wäre ich die Erste, die diesen Hinweis dankend zur Kenntnis nimmt, in die Küche eilt und sich gleich zwei bis drei Stücken bunkert – man weiß ja nicht, ob die Kollegen noch was übrig lassen, und sicher ist schließlich sicher. Das war einmal. Heute reagiere ich auf diese Art von Mails mit Ignoranz und denke: „Lasse essen“. Kuchen? Wer braucht den schon. Ich knabbere lieber Kohlrabi. Und das sogar gerne. Der hat Nährstoffe und tut dem Körper noch was Gutes, im Gegensatz zu Kuchen. Der enthält Zucker und Zucker will ich ja vermeiden.

An dem Zuckerverzicht versuche ich mich nun schon seit einem halben Jahr und bisher klappt es gut, wie das Kuchenbeispiel zeigt. Auch die Büroschubladen (ja Plural) haben sich verändert. Die obligatorischen Tüten mit Süßkram sind weg. Lediglich eine noch nicht entsorgte Packung mit schoko-überzogenen Spekulatius-Knusperstückchen zeugt von meiner letzten Ausschweifung in der Weihnachtszeit. Danach war Schluss. Schluss mit Zucker.

So gut es geht zumindest, denn eine Menge Lebensmittel enthalten Zucker. Bei manchen muss es allerdings wirklich nicht sein, wie ich finde. Die Industrie meint es besonders mit verarbeiteten Produkten oft sehr gut, was den Zuckergehalt angeht. Ich staune beispielsweise nicht schlecht über den Zuckergehalt von Salatdressing. Gut zehn Prozent und mehr sind in vielen cremigen Fertig-Dressings enthalten. Dabei isst man Salat doch eigentlich mit der Intention sich etwas Gutes zu tun… Noch etwas größer war meine Überraschung sogar bei der Tomatensalz-Gewürzmischung. Mein „Salz“ enthielt ebenfalls fast zehn Prozent Zucker. Ziemlich unnötig, wie ich finde, und ein gutes Beispiel dafür, dass man genau hinschauen sollte, zu welchen Produkten man im Supermarktregal greift. Aber Obacht – Zucker hat viele Namen. Manchmal steht Zucker in der Zutatenliste, manchmal Maltodextrin, Fruktose-Glukose-Sirup, Gerstenmalzextrakt und noch viele weitere.

Mich mit dem Thema Zuckergehalt zu beschäftigen, hat auch meine übrige Ernährungsweise beeinflusst. Ich versuche, mehr Gemüse zu essen. Und auch, wenn Äpfel gesünder sind als Schokoriegel, sollte eine ganze Packung davon am Tag aufgrund des natürlichen Fruchtzuckeranteils auch nicht sein. Dann lieber eine Paprika oder eben der Kohlrabi.

Auf diese Weise habe ich sogar etwas geschafft, dass mir vorher seit Jahren nicht gelungen ist: Endlich sind ein paar Büro-Sitzpfunde gepurzelt. Mittlerweile meldet die Waage zehn Kilo weniger.

Zugegeben, allein der eingeschränkte Zuckerkonsum hat wohl nicht dazu geführt, aber er hat mir sicherlich geholfen. Mein Blutzuckerspiegel spielt gefühlt nicht mehr Jojo und ich bin nicht mehr ständig auf der Suche nach dem nächsten Zucker-Kick.

Auf Süßes verzichte ich übrigens trotzdem nicht. Wenn ich richtig Lust darauf habe, nutze ich jetzt Stevia um meinen Sojajoghurt in ein süßes, cremiges Dessert zu verwandeln. Ob das nun gesünder als Zucker ist, darüber mag auch der ein oder andere anderer Meinung sein. Ansonsten nasche ich gerne Obst. Das sehe ich aber heute mehr als Süßigkeit, denn als Grundnahrungsmittel. Bananen und Weintrauben, die ich früher fast ständig gegessen habe, sind nun gestrichen. Diese Obstsorten haben einen besonders hohen Zuckergehalt.

Beim Abnehmen geholfen hat über die Ernährung hinaus wohl auch, dass ich den Schrittzähler auf meinem Handy hochgesetzt habe. Viele, die auf Zucker verzichten, berichten im Internet von einer Steigerung der Vitalität. Das würde ich unterschreiben. Die Lust auf Bewegung ist wieder da und so folgt auf Bürostuhl-Hocken jetzt standartmäßig Neue-Schleichwege-Entdecken. Das ist gar nicht mal so uninteressant und das tägliche Fernsehprogramm kann auch gut ohne mich laufen.

 

Mein Fazit:

Ich werde auf jeden Fall versuchen, weiterhin auf den Zuckergehalt in meinem Essen zu achten. Ein guter Richtwert sind für mich um die 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm Lebensmittel. Allerdings ist bei mir auch mal ohne schlechtes Gewissen ein Eis oder eine Tüte Popcorn im Kino drin. Das muss einfach sein.