Food, Inspiration, Living

Selbstversuch: Ein Leben ohne Zucker

Ein Leben ohne Zucker? Für viele kaum vorstellbar, steckt das weiße Zeug doch fast überall drin und ist dabei auch noch verdammt lecker. Auch Autorin Maike gehört zu den Naschkatzen – noch. Für „Styles of Hameln“ startet sie nun den Selbstversuch und will auf Zucker verzichten. Ob ihr das gelingt?

Eigentlich eine leidenschaftliche Naschkatze: Maike

 

Ich habe einen neuen Feind ausgemacht. Ich würde ihm gern so gut ich kann aus dem Weg gehen, kann ich aber nicht. Er ist fast überall. Die Rede ist von Zucker. Jenem weißen, krümeligen Zeug, das verarbeitet in Kuchen, Schokolade oder Gummitierchen so gut schmeckt. Aber nicht nur dort – auch meiner Pasta-Sauce, Joghurt und Salatdressing gibt Zucker den letzten Schliff. Der Blick auf die Verpackung meiner einstigen Lieblings-Lebensmittel lässt mich manchmal schaudern, wie viel Zucker ich eigentlich in mich reingeschaufelt habe. Und diese Erkenntnis geht weit über die Pasta-Sauce hinaus. Eine 500 Gramm Packung Weintrauben habe ich bisher für einen adäquaten und sogar vermeintlich gesunden Nachtisch gehalten. Aber Pustekuchen! Weintrauben sind eigentlich kleine Zuckerbomben. Zwar ist ihnen kein Industriezucker zugesetzt, doch sie haben reichlich Fruchtzucker und Glucose. Weintrauben kommen locker auf 16 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Macht bei einer ganzen Packung satte 80 Gramm. Ich will Obst aber nicht generell verteufeln. Es gibt auch Sorten mit weniger Zucker. Beerenobst zum Beispiel oder Papayas. Erdbeeren kommen auf gut 5 Gramm Zucker je 100g, Papayas auf 8 Gramm. Ein Schokoriegel, der in seinem Namen besonders auf Kinder abzielt, liegt übrigens bei 53,3 Gramm Zucker pro 100 Gramm beziehungsweise 11,2 Gramm pro Riegel.

Was bedeutet das nun alles? Mit nackten Zahlen kann nicht jeder was anfangen, aber setzten wir sie in Relation zur Zucker-Konsum-Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wird schnell klar, dass wir über die Lebensmittel, die wir essen, besser nachdenken sollten. Laut  Empfehlung der WHO sollte jemand, der gesund leben möchte,  höchstens zehn Prozent seiner Kalorienzufuhr in Form von Zucker zu sich nehmen. Noch besser sei es allerdings, den Zuckerkonsum gleich auf fünf Prozent zu reduzieren – also höchstens 25 Gramm pro Tag zu sich zu nehmen. Das entspricht etwa sechs Teelöffeln Zucker. Wer jetzt anfängt zu rechnen, der merkt, dass es gar nicht so leicht ist, diese Empfehlung einzuhalten. Zweieinhalb Schokoriegel und man ist schon drüber –  ohne an diesem Tag noch etwas anderes gegessen zu haben.

Trotzdem liegt Zuckerverzicht gerade voll im Trend. Wer ein bisschen im Internet sucht, findet einige Selbsterfahrungsberichte, motivierende Gruppen auf Facebook und das ein oder andere Rezept für Quinoa-, Hirse- oder Dinkelgerichte als gesündere oder blutzuckerspiegelfreundlichere Alternative zum stark verarbeiteten Weizen oder um kulinarisch einfach mal seinen Horizont zu erweitern. Wer bei seiner persönlichen Entwöhnung vom Zucker übrigens besondere Willensstärke an den Tag legt, kann auch auf die stärkehaltigen Kartoffeln verzichten.

Als Belohnung für den Verzicht, so heißt es im Internet und Ratgeberbüchern, wird man mit einer gesteigerten Sensibilität für Süßes belohnt. Also kurz: Die Wahrnehmung verändert sich und wir haben den ganzen Süßkram gar nicht mehr nötig. Wer subjektiven Berichten in sozialen Netzwerken glauben möchte, der kann sich nach dem Zucker-Verzicht auch auf eine reinere Haut, mehr Energie im Alltag und vielleicht auch weniger Gewicht freuen.

Ich will den Selbstversuch machen. Für mich heißt es jetzt: „Mach’s gut Zucker“.  Ambitioniert nehme ich mir vor, 20 bis maximal 30 Gramm Zucker pro Tag zu mir zu nehmen und möglichst keine verarbeiteten Lebensmittel mehr in den Einkaufswagen zu packen, die mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten. Außerdem achte ich auf zugesetzten Zucker in der Zutatenliste, egal wie er heißen mag. Ob Glukose, Fruktosesirup, Malzextrakt, Dextrin und so weiter – Zucker hat viele Namen. Eine kurze Recherche und offene Augen können vielleicht die ein oder andere Zuckerfalle entlarven.

 

Ob ich mein Vorhaben durchhalte, daran zweifele ich selbst ein bisschen. Immerhin bin ich jemand, der gern mal Kuchen frühstückt und eine gut bestückte Süßigkeiten-Schublade im Büro vorhält. Auch das Rechnen wird mich wohl nerven, aber was macht man nicht alles für die Verheißung von einem gesünderen und besseren Leben. Das ganze sollte ich mindestens zwei Monate durchhalten, denn 66 Tage soll es dauern, bis Menschen sich auf neue Gewohnheiten eingestellt haben. Meinen eigenen Selbsterfahrungsbericht, gibt es dann später. Ich bin gespannt.